Mein Kraftplatz in der Natur

 

„Langsamer werden, was taucht auf?“ war kürzlich eine der Einladungen/Fragen in der Dyaden Meditation (globaldyadmeditation.org), zu der ich mich u. A. 5 Minuten meditativ erforscht habe. Ich habe mich sehr über diese Frage gefreut- gerade jetzt, in der Zeit des höchsten Wachstums in der Natur. Ich finde, dass es dieses Jahr besonders üppig grün und in der Fülle ist. Was in Hamburg zumindest sicher auch den ergiebigen Regenfällen der letzten Zeit liegt. Bisher gab es weder Dürre noch Hitze, ganz anders, als in den letzten Jahren. Und so ist alles noch grün und vital.

 

Mir tut Langsamkeit unendlich gut. Ich denke schnell, ich rede schnell. Ich fließe oft schnell durch das Leben und bin eine kreative Tausendsassa, trotz meiner zugleich großen Liebe zur Kontemplation, Stille und Innerlichkeit. Zwischen den beiden Polen sirre ich hin und her und da ist Langsamkeit immer wieder eine Wohltat. Langsamkeit ermöglicht mir auch Gleichzeitigkeit aller Pole an Ort und Stelle, ohne sirren. Langsamkeit ist für mich wirklich wie ein Luxus- ich nehme mir Zeit. Für wirkliches Nichtstun z. B. Eine Zeit, in der ich auch nicht meditiere oder besonders bewusst bin. Sondern einfach nur bin, von Moment zu Moment.

 

Dazu habe ich mir nun nach einem Impuls aus der wundervollen GAIA Community (www.gaia-prinzip.com) einen Kraftplatz in der Natur gesucht. Denn wo kann man einfacher nur man selbst sein, so wie man gerade ist, als in der Natur, die weder urteilt, noch irgendwelche Ansprüche an uns stellt? Sie macht uns sogar direkt vor, wie das geht, das einfach da sein. Da brauche ich mich einfach nur einklinken.

 

Also habe ich in einem nahe gelegenen Wäldchen einen Ort gefunden (siehe Foto), an dem es sich fantastisch einfach da sein lässt. Ein umgestürzter Baum, sogar mit einer kleinen Aufstiegshilfe, unter einem laubenartigen Blätterdach. Geschützt vor Regen und versteckt in einem wilderen Teil des Waldes. Mit Blick auf die umliegenden Felder und Wiesen. Ich hatte mich kaum hingesetzt, da kam auch schon ein Rotkehlchen vorbei und beäugte mich. Ich schaute genauso interessiert zurück. Einem Impuls folgend drehte ich mich herum und sah etwa 10 Meter entfernt auf dem Feld einen prächtigen Feldhasen. Mit aufgestellten Löffeln, die in meine Richtung gedreht waren. Er rührte sich überhaupt nicht, sah aus wie eine Statue. Ich war von Ehrfurcht erfüllt in diesem Moment. Ich passte mich an und wurde ebenso zur Statue. So schauten wir uns mehrere Minuten an. Ich war verwundert, wie lange er so ausharrt, völlig bewegungslos. Bis die Haltung unbequem wurde und ich mich zuerst zurückdrehte. Danach war er lautlos irgendwo hin verschwunden. Ich habe noch nie einen so großen Hasen in freier Natur gesehen. Als ich heute wieder in dem Wäldchen war, sah ich erneut einen Hasen über in eleganten großen Sprüngen über das Feld setzen und hatte auf einmal eine Beziehung zu ihm. Vielleicht war es „mein“ Hase von letzter Woche? Vielleicht sein Weibchen. Jedenfalls gab es eine Verbindung zu mir, den ansässigen Hasen, eine Vertrautheit und Bezogenheit, die ich zuvor nicht gespürt hatte. Ich saß bestimmt 45 Minuten einfach nur auf dem Baumstamm. Ohne Uhr, ohne Handy, ohne Zeit.

 

Plötzlich hatte ich den Impuls, mich rittlings auf den Ast zu setzen. Ich bin als Kind leidenschaftlich gerne und viel geritten. Der Baum lud mich dazu ein. Gedacht, gemacht. Herrlich! Ein altes Körpergefühl/Erinnerung stellte sich ein. Das Gefühl, von einem Pferd getragen zu werden. Natürlich war es nicht das Gleiche. Aber da waren plötzlich all die schönen Erinnerungen an die zahlreichen Ausritte früher. Noch viel schöner fand ich jedoch diesen verspielten Impuls- und ihm gefolgt zu sein. Kurz dachte ich: wenn jetzt doch einer kommt, was denkt die Person dann wohl? Mittelalte Frau sitzt verträumt rittlings auf einem umgestürzten Baum…Es war mir jedoch schnell wieder egal. Es kam niemand. Ich war ganz und gar allein unter meiner grünen Blätterlaube, der Wind rauschte durch die Bäume und ich fühlte mich sehr sehr frei und zugleich geborgen. Als Kind, so erinnerte ich mich, habe ich viele solche Erfahrungen in der Natur gemacht.

 

Ich werde öfter an diesen Platz gehen, sitzen. Mir erlauben langsamer zu werden, einfach nur dazusitzen. Impulsen zu folgen. Schauen, was auftaucht. Ich bin schon jetzt, nach nur diesem einem Besuch dort, mit dem Ort und der Landschaft neu und anders verwoben, durch das Innehealten. Ich gehe da seit über 10 Jahren mehrmals die Woche spazieren oder joggen und der Wald ist nicht mehr Gleiche seit dieser Erfahrung.

 

Hast du auch so einen Platz in der Natur? Wenn nicht, magst du dir ja vielleicht jetzt einen suchen. Er sollte nicht allzu weit von deinem Wohnort weg sein, etwas geschützt und dir entsprechen, dir wohltun. Ich empfehle, dort mindestens ein Mal in der Woche eine unbestimmte Zeit ohne Uhr und Handy ganz allein zu verbringen. Nichtstun, auch nicht schreiben, lesen oder essen. Dich mit dem Ort, der Natur, der Landschaft, den Tieren bekannt und vertraut zu machen, eine Beziehung aufzubauen und dich verwandeln zu lassen.

 

Wenn du magst, berichte mir gerne von deinen Erlebnissen!

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Kommentare: 1
  • #1

    Veronika Lamprecht (Donnerstag, 27 Juni 2024 11:59)

    Wow wie schön! Danke Monika, dass du von deinen Erfahrungen erzählst! So ermutigend!